Der Herbst steht schon wieder vor der Türe, in dem Zusammenhang kam mir folgende Geschichte in den Sinn. Viele vom Quartier gingen in den Turnverein, wir hatten immer am Freitag Vorabend “turnen”. Wir hatten meistens sehr viel Spass an im Turnverein, einlaufen, ein wenig Geräteturnen und anschliessend “bänklischuttä”. Die meiste Unterhaltung sorgte ein Junge, ich weiss den Namen nicht mehr, der hatte zwar 2 Beine und 2 Arme, aber er brauchte eigentlich meistens den Kopf, er fiel auf den Kopf, bremste mit dem Kopf und beim Fussball holte er den mit Sicherheit härtesten Schuss des Abends auch mit dem Kopf, hier muss ich präzisieren – mit dem Gesicht. Es war unglaublich, Pferdsprung – er lief an – verpasste den Absprung – Kopf voran ins Gerät. Sein Gesicht sah auch dem entsprechend aus. Wir konnten es nicht verstehen, er war für seine waghalsigen Kopfgeschichten bekannt. Ich weiss gar nicht ob es heute in dieser Form noch Turnvereine gibt. Der Turnverein Staus Bern Ost gab uns viel Spass und Freude
Ich weiss gar nicht ob es heute noch eine solche Sendung im deutschen Fernsehen gibt, was ich weiss, damals vor 40 Jahren war das ein Strassenfeger und kam Freitag Abends, Eduard Zimmermann. Für mich war damals der Reiz, das ich das nicht schauen durfte aber es natürlich, wenn sich die Möglichkeit bot, trotzdem tat.
Das schlimmste an dieser Sendung waren nicht die Verbrechen als solches, sondern immer die Vorstellung dass das wahre Geschichten waren, nach dem schauen war immer ein wenig Angst present, egal was man machte, wenn ich auf Toilette ging wurde immer hinter der Türe nachgeschaut, ob sich da Jemand versteckt, das Versteck unter dem Bett wurde kontrolliert.
Zum Glück kam die Sendung nicht allzu oft.
Die Sprüche von Früher gehen mir im Prinzip auch auf den Senkel, aber eben es gibt Sachen, wie der Winter vor 40 Jahren der war anders, er war schneereicher. Mehr oder weniger vor der Haustür ist der Burgerenzielrain, eine Strasse, ideal zum schlitteln. Aber die Jungs vom Strasseninspektorat hatten leider die Aufgabe diese Strasse für den Verkehr mit Split fahrbar zu machen, zum Leidwesen der Quartierwintersportler. Wir hatten die Strasse perfekt präpariert, als unsere Feinde mit Split ankamen – allerdings standen wir bereits mit Besen bereit, damit wir, sobald die “Orangen” ihr Werk vollbracht hatten, den ganzen Split wieder wegwischen konnten, das musste immer unmittelbar nach dem streuen erledigt werden, ansonsten fuhren Autos darüber und drückten die Steinchen in den Schnee.
Wir machten uns, mit unserem skandalösem Verhalten natürlich keine Freunde, sei es bei den Nachbarn am Hang noch bei den orangen Jungs.
Es war ein Spiel im Winter das funktionierte über Jahre hinweg gut, split…wischen – split…wischen…
Wir wohnten in einer Sozialwohnung der Liegenschaftsverwaltung der Stadt Bern, die meisten Wohnungen im Murifeld Quartier die der Stadt Bern gehörten, waren sanitärtechnisch eher spartanisch ausgestattet, 1 WC und kein warmes Wasser. Die Heizung in der Küche und Wohnzimmer waren Anfangs Holz und Kohlebriketts, später hat meine Mutter auf Ölheizung umgestellt.
Im Sommer fand der Badetag im Garten statt, in einer grossen verzinkten Blechwanne wurde gebadet, das war nicht nur bei uns so üblich sondern wurde auch bei anderen Familien so praktiziert. Ansonsten wurde in der Wohnküche Wasser heiss gemacht und via Waschbecken gewaschen.
In der heutigen Zeit kann man sich das kaum vorstellen ohne Badezimmer/Dusche, Warmwasser aus dem Hahnen, aber soweit ich mich erinnern kann, hatten wir nie Probleme mit unseren sanitären Verhältnissen. Im Gegenteil der Sommer draussen im Zuber war meistens ein Fest.
Im Sommer gingen wir natürlich viel ins Marzili – am Anfang noch das alte Marzili, dass heisst Männer Bad und Frauen Bad getrennt und beide mit Aarewasser. Wie immer, ob jetzt Marzili im Sommer oder Hallenbad im Winter, wenn sich eine Duschgelegenheit anbot, wurde die vollumfänglich genutzt.
Es ist nicht so das ich mich erinnern könnte als mein Bruder 3 Jahre nach mir auf die Welt kam, was mir meine Mutter erzählt immer wieder erzählt, das ich im Grunde genommen Freude hatte am kleinen Bruder gehabt habe, allerdings kommt auch immer wieder die Geschichte, das ich die Situation, Eltern mehrerer Kinder kennen das, ausgenützt habe. Als 3-Jähriger machte ich mich auf den Weg zum Bärengraben, unterwegs erbettelte ich mir noch ein wenig Geld um Rübli für die Bären zu kaufen.
Zuhause konnte man endlich die Finger von meinem Bruder lassen und bemerkte das der “Grosse” nicht mehr da war, man suchte im ganzen Quartier, unterdessen war die halbe Strasse am suchen, bis jemand eine Passantin nach einem kleinen Jungen mit Lederhose fragte, die meinte “ja, den habe ich gesehen und er hat mich auch nach 50 Rappen gefragt für die Bären, sie habe sich keine weiteren Gedanken gemacht, weil der Junge genau wusste wo es lang geht.”
Wer mich noch vor dem endgültigen Ziel abgefangen weiss ich nicht mehr – allerdings habe ich diese Geschichte öfters zu hören gekommen.
Mein Name ist Marcel, geboren im Sternzeichen des Widders im Jahre 1960, in Bern
Ich möchte hier einige Geschichten und Erlebnisse die mein Leben geprägt oder meine Mitmenschen beeinflusst haben niederschreiben.
Aufgewachsen bin ich im Murifeld Quartier in Bern – ein sehr spezielles Quartier, das mich, wenn ich zurück schaue nachhaltig geprägt hat, das ist nicht alleine meine Meinung sondern auch die meiner damaligen “Gspänli”.
In der Regel weiss man nicht mehr viel aus der früheren Kindheit, daher lass ich meine ersten Lebensjahr ausser acht.